Frauen­gesundheit

Beckenboden­muskulatur

Die Kraft liegt in der Mitte

Die Beckenbodenmuskulatur ist die zentrale Funktionseinheit, über die alle Bewegungsabläufe des Körpers mitgesteuert werden. Ein schwacher Beckenboden kann sogar Schmerzen der Lendenwirbelsäule verursachen, da die Rumpfmuskulatur mit dem Beckenbodenmuskeln eine Einheit bilden.

Alle Frauen – insbesondere SängerInnen, TänzerInnen und auch SportlerInnen (zB beim Laufen, Tennis spielen, Golf spielen, Turmspringen, Squash,..) – brauchen ein kräftiges Muskelkorsett, das die Beckenbodenmuskeln als wesentliche Funktionseinheit im Alltag wie im sportspezifischen Training miterfasst.

Oft haben Frauen ein schwaches Bindegewebe, oder Geburten verlaufen nicht unkompliziert, viele Frauen haben mehrere Kinder – kein Wunder, dass die Beckenbodenmuskulatur in der Folge geschwächt ist. Eine kräftige Beckenbodenmuskulatur verhindert sowohl Harn- und Stuhlverlust und ist für die Sportausübung wie für ein befriedigendes Sexualleben von grosser Bedeutung.

FRAUENTHEMEN- FRAUENLEBEN

SEXUALMEDIZIN UND SCHMERZMEDIZIN – HILFE UND UNTERSTÜTZUNG

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Orgasmusstörungen, Libiodverlust (Lustlosigkeit) und die Unfähigkeit Geschlechstverkehr freudvoll zu erleben sind häufige Probleme, mit denen Frauen sich alleine gelassen fühlen, da diese Themen noch als stark tabuisiert in unserer Gesellschaft gelten und nicht angesprochen werden.

Ein wenig Mut gehört dazu, doch sprechen Sie bitte mit mir, oder ihrer Vertrauensärztin oder ihrem Vertrauensarzt darüber. Die Ursachen müssen zuerst abgeklärt werden. Die gute Zusammenarbeit eines Netzwerkes von Ärzten und Therapeuten wird Ihnen helfen, für Sie die ideale und auf die individuelle Situation abgestimmte Therapien anzubieten.
Sprechen Sie darüber, Sie sind nicht alleine!

Einsatzgebiete

Krankheits­bilder
  • Schmerzen im Genitalbereich:
    • Dyspareunia (Schmerzen bei Geschlechtsverkehr)
    • Vaginismus (Scheidenkrampf)
    • Vulvodynie (brennende Schmerzen)
  • Schmerzen im Beckenbereich aufgrund operativer Eingriffe
  • Unklare Schmerzen im Becken- und Bauchbereich(chronic pelvic pain/CPP,  pelvic congestion Syndrom)
  • Libidoverlust (Lustlosigkeit)
  • Orgasmusschwäche
  • Schmerzen nach Tumoroperationen >REHA-MED
  • Unfreiwilliger Harn- und Stuhlverlust
  • Anismus (Schmerzen beim Darmausgang)
  • Verstopfung
Unfreiwilliger Harnverlust

Unfreiwilliger Harnverlust (HI) muss nicht sein, obwohl viele Menschen darunter leiden!
In Österreich gibt es dazu hochgerechnete epidemiologische Daten*. Das Durchschnittsalter liegt bei der 49,7 ± 13,6 Jahren, wenn die ersten Symptome auftreten. Insgesamt geben 26 % der Frauen in der zitierten Studie (n = 332) eine Harninkontinenz an. Die Prävalenz (Häufigkeit) der HI steigt kontinuierlich mit zunehmendem Lebensalter an, so dass über 40% der Frauen ab dem 65 Lebensjahr angeben, fallweise Harn zu verlieren!
Es gibt verschiedene Formen von Harninkontinenz, die häufigsten Formen sind die Belastungsinkontinenz und Mischinkontinenz. Die letztere ist mit einer Drangkomponente verbunden, so dass wenige Sekunden oft nur bleiben, zu einem WC zu gelangen, kaum dass dieser Drang verspürt wird. Angst vor dem Weggehen in die Öffentlichkeit und das Vermeiden von jeder sportlichen Bewegung sind oft die Folge.
Biofeedback, Beckenbodenmuskeltraining, Elektrotherapie sowie eine medikamentöse Unterstützung helfen oft die Symptome zu bekämpfen und zu beenden.

*Madersbacher et al, J für Urologie und Urogynäkologie, 2003; 10 (1) 26-27 )

SCHMERZ­MEDIZIN- BEHANDELN STATT STILL ZU LEIDEN!

Schmerzen im Unterbauch können viele Ursachen haben, und eine fachärztliche Untersuchung durch FrauenärztInnen, UrologInnen und eventuell auch spezialisierte KollegInnen der Chirurgie sind unumgänglich. Chronic pelvic pain, pelvic congestion Syndrom sind geläufige Bezeichnungen dafür, ebenso Symptome die als Reizdarm, Reizblase, interstitielle Cysitis sowie schmerzhafter Geschlechtsverkehr bezeichnet werden, gehören zu diesem Schmerzkreis.

Manchmal verbergen sich auch Partnerprobleme oder erlittene psychische Traumen hinter diesen Schmerzsyndromen. Wichtig ist auch hier ein gutes Netzwerk von KollegInnen und TherapeutInnen, Vertrauen in die Beratung, Gespräche mit Partnern und eine kompetente und individuell geführte Schmerztherapie, die neben medikamentöser Unterstützung auch Methoden der physikalischen Medizin umfassen, wie Faszientechniken, Biofeedback, Akupunktur, Tapen, und Entspannungstraining. Erfolgreich behandeln heißt hier ganz besonders, eine enge Zusammenarbeit von Patientin und Arzt zu finden.

Stuhl­inkontinenz

Diese kann etwa als Folge einer Darmentzündung, einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, einer Operation oder Rückoperationen nach einem Tumor (Stomapatienten) auftreten. Die Abklärung durch einen Facharzt (Internisten, Chirurgen, Coloproktologen,..) ist vor jeder Therapie notwendig, doch dann können diese Symptome mittels physikalischer Therapie minimiert oder beseitigt werden. Stuhlinkontinenz ist mit Biofeeback (BFB) und Elektrotherapie gut behandelbar und ebenso Begleitsymptome wie abgehende Winde (Flatulenz).

Verstopft - Obstipiert?

Verstopfung ist eines der größten Tabuthemen, das kaum mit Ärzten besprochen wird und oft zu einem heimlichen Leiden mit stundenlangen WC-Sitzungen führt. Es betrifft Frauen häufiger als Männer, am häufigsten sind Menschen über dem 60 Lebensjahr betroffen. Auch Kinder können schon durch falsche Toilettgewohnheiten, einseitige Ernährung, Bewegungsmangel und funktionelle Störungen verstopft sein. Die Beckenbodenmuskulatur wird durch das ständige Pressen sehr geschädigt, bis hin zu notwendigen Operationen (z.B. bei bei Analprolaps). Als Vorboten treten häufig schmerzhafte Hämorrhoiden auf, die zu einer weiteren Verspannung des Beckenbodens und Verschlechterung der Toilettgewohnheiten führen können.
Abführmittel in großen Mengen, lange eingenommen, verschlimmern die Situation. Nach einem fachärztlich abgesicherten Ausschluss von operationswürdigen Ursachen kann sehr oft Biofeedback und Elektrotherapie, neben einer gut geführten diätetischen Beratung, der Weg aus dem Dilema sein

Therapie­methoden

Biofeedback

biofeedback

Biofeedback ist eine Methode, um z.B. muskuläre Aktivität in Echtzeit darzustellen. Es eignet sich besonders gut dafür, Verspannungen oder auch fehlerhafte Anspannung der Beckenbodenmuskulatur sichtbar zu machen, und sollte deshalb Grundlage jeden Beckenbodentrainings sein.
Besonders nach Geburten und bei unfreiwilligem Harnverlust oder bei PatientInnen, die die Beckenbodenmuskulatur nicht entspannen können und daher Schmerzen haben, ist Biofeedback ein wichtiges Therapieangebot.

EIN WORT ZU BECKENBODEN­MUSKELTRAINING

beckenboden

Eine oft gestellte Frage: Reicht es nicht, zu Hause zu üben, ich habe ja eine Broschüre erhalten?
In manchen Fällen ja, doch sehr häufig besteht eine schlechte Wahrnehmung, welche Muskulatur richtig angespannt werden muss. Wenn dies der Fall ist, wird das alleinige Üben aus der Broschüre ineffektiv. Hier hilft oft das Biofeedback, das die korrekte Anspannung sichtbar macht und das Einüben des Bewegungsablaufes unter Anleitung eines mit dieser Muskulatur vertrauten Therapeuten bzw. Arztes ermöglicht.
Übungen aus den Broschüren schauen sehr einfach aus, doch Bewegungsmuster werden lebenslang eingeübt und häufig wird die Beckenbodenmuskulatur kaum jemals bewusst trainiert. Kein Wunder also, dass alleiniges Übungen aus der Broschüre oft nicht hilft!

MANUELLE MEDIZIN – FASZIEN­TECHNIKEN-HAUSÜBUNGEN

faszien

Je nach Fragestellung wird mit Hilfe von verschiedenen Techniken der manuellen Medizin und der Physiotherapie Triggerpunkte in der Muskulatur, Verklebungen von Faszien und Verspannungen manuell gelöst. Ein wenig Mithilfe benötigen wir jedoch – Bitte daher die gezeigten Hausübungen regelmässig durchführen!

HEIMTHERAPIE -ELEKTRO­THERAPIE

blue-tens

Je nach Fragestellungen könne Elektrotherapie- Heimgeräte verordnet werden. Sie werden bei uns eingeschult und die individuell notwendigen Stromparameter festgelegt. Sie können also frei nach Ihrer Zeitwahl die Therapie auch zu Hause durchführen. Je nach Krankenkassa werden die Kosten sogar weitgehend übernommen.